Fischerlied

Vincenzo Righini

Das Fischergewerbe

Giebt rüstigen Muth!

Wir haben zum Erbe

Die Güter der Fluth.

Wir graben nicht Schätze,

Wir pflügen kein Feld;

Wir erndten im Netze,

Wir angeln uns Geld.

Wir heben die Reusen

Den Schilfbach entlang,

Und ruhn bei den Schleusen,

Zu sondern den Fang.

Goldweiden beschatten

Das moosige Dach;

Wir schlummern auf Matten

Im kühlen Gemach.

Mit rothen Korallen

Prangt Spiegel und Wand,

Den Estrich der Hallen

Deckt silberner Sand.

Das Gärtchen daneben

Grünt ländlich umzäunt

Von kreutzenden Stäben

Mit Baste vereint.

Im Antlitz der Buben

Lacht muthiger Sinn;

Sie meiden die Stuben

Bei Tagesbeginn;

Sie tauchen und schwimmen

Im eisigen See,

Und barfuß erklimmen

Sie Klippen voll Schnee.

Die Töchter ergötzen

Sich Abends bei Licht,

Wann alles an Netzen

Und Maschenwerk flicht.

Oft wird mit Gelächter

Durchmustert das Dorf;

Die Mutter, als Wächter,

Schürt nickend den Torf.

Oft rudern wir ferne

Im wiegenden Kahn;

Dann blinken die Sterne

So freundlich uns an;

Der Mond aus den Höhen,

Der Mond aus dem Bach,

So schnell wir entflöhen,

Sie gleiten uns nach.

Wir trotzen dem Wetter,

Das finster uns droht,

Wann schöpfende Bretter

Kaum hemmen den Tod.

Wir trotzen auch Wogen

Auf krachendem Schiff,

In Tiefen gezogen,

Geschleudert ans Riff!

Der Herr, der in Stürmen

Der Mitternacht blitzt,

Vermag uns zu schirmen,

Und kennt, was uns nützt.

Gleich unter dem Flügel

Des Ewigen ruht

Der Rasengruft Hügel,

Das Grab in der Fluth.