Beschwörung

Vladimir Mikhailovich Alpers

O wenn es wahr, daß in der Nacht,

Wann alle ruhen, die da leben,

Und wann die Mondesstrahlen sacht

Herab auf Leichensteine schweben,

O wenn es wahr ist, daß alsdann

Die Gräber leeren sich, die stillen,

Ruf' ich, harr' ich um Leila's willen;

Zu mir, mein Lieb, heran, heran!

Zeig dich, geliebter Schatten, gleich

Wie du erschienest vor dem Scheiden,

Wie Wintertag so kalt, so bleich,

Entstellt vom letzten Todesleiden;

Schweb' wie ein ferner Stern heran,

Wie leiser Klang, wie Windeswehen,

Wie ein Gesicht, schrecklich zu sehen,

Mir alles gleich: heran! heran!

Ich rufe dich, nicht darum, nein!

Um jener Bosheit anzuklagen,

Die tödteten den Engel mein;

Nicht Grabes Räthsel zu erfragen,

Nicht darum, weil mich dann und wann

Der Zweifel quält... ich will nur schmerzlich

Dir sagen, daß ich liebe herzlich,

Daß ich ganz dein! heran! heran!