Blauäugelein
W. Aletter
Ich ging an einem Frühlingstag
den Waldessaum entlang
und hörte aus dem Fliederhag
der Nachtigallen Sang.
Gar manche Blume wunderbar
an meinem Wege stand;
nun aber ratet, was es war,
das ich zum Strauße wand!
Blauäugelein
zierlich und fein
baten so lieblich:
Vergiss nicht mein! Vergiss nicht mein!
Zu einem Strauß zierlich und klein
band ich die holden Blauäugelein,
Blauäugelein.
Da plötzlich trat aus Waldesgrund
ein Mädchen wunderhold
mit purpurrotem Kirschenmund
und Haaren hell wie Gold.
Doch schöner als ihr Mündchen klein
und als ihr volles Haar,
das war - wie könnt's auch anders sein -
ihr lichtes Augenpaar!
Blauäugelein,
wie Sonnenschein
strahlen ins Herz sie tief mir hinein,
wie Sonnenschein!
Ich gab den Strauß ihr nur allein,
Blauäugelein für Blauäugelein,
ihr ganz allein.
Dies Mägdlein, das ich mir erjagt
dereinst in blum'ger Au,
die ist, dem Himmel sei's geklagt,
nun längst schon meine Frau;
sie zankt und keift ohn' Rast und Ruh',
sie schimpft, so viel sie mag,
und wenn ich nur 'nen Muckser tu',
hab' ich am andern Tag
Blauäugelein;
o welche Pein!
Ganz ungeheuer fiel ich herein
mit Blauäugelein!
Hör' ich sie schrei'n,
los möcht' ich sie sein,
die mit den holden Blauäugelein
möcht' los ich sein!