Die holde Zeit der Liebe kehrt niemals mehr zurück!

W. Aletter

Wenn einst nach langer Wintersöde

die Sonne brach des Nebels Bann,

und wenn die ros'ge Morgenröte

des Tages Werden kündet' an,

wenn Lenz und Winter lag im Streite

und Sturmgebraus füllt' die Natur,

dann stand ich auf des Frühlings Seite,

froh seines Siegs in Wald und Flur.

Ihr warmen Sonnenstrahlen

bescheint nicht mehr mein Glück,

die holde Zeit der Liebe

kehrt niemals mehr zurück!

Wie grüsst' ich stets die ersten Spenden,

durch welche uns der Lenz beglückt,

den Strauß von zarten Kinderhänden

in Wies' und Wald behend' gepflückt!

Schneeglöckchen sind es, Frühlingskinder;

warfst du auch wieder Schnee hinein,

so lachten wir dich aus, o Winter!

Der Lenz schlug dich mit Sonnenschein!

Ihr holden Frühlingsboten,

dahin ist all' mein Glück,

die schöne Zeit der Liebe

kehrt niemals mehr zurück!

Und wenn der Vögel Stimmen klangen

heraus aus grünendem Gezweig,

die Lerchen schmetternd auf sich schwangen

mit Jubel in der Lüfte Reich -

wie gern hab' ich oft mitgesungen,

wie reihte sich dann Lied an Lied;

nun ist mein letzter Sang verklungen,

mein Liebster / die Liebste treulos von mir schied.

Der Vögel frohes Singen

ersetzt mir nicht mein Glück.

Die schöne Zeit der Liebe

kehrt niemals mehr zurück!