Mägdlein im Walde
W. Aletter
Als ringsum die Knospen sprangen
vor des Frühlings Allgewalt,
bin i einsam 'naus gegangen
in den frischen, grünen Wald.
Wollt' den Kuckuck etwas fragen,
was mir niemand wusst' zu sagen,
und so rief i ohne Ruh'
einem fernen Kuckuck zu:
Kuckuck, o Kuckuck, o sag mir doch fein,
wie alt werd' i dereinst wohl sein,
wenn man mi still und tief bewegt
zur letzten Schlummerstätte trägt?
Kuckuck, Kuckuck, klang's d'rauf durch den Wald
in einem fort, das rings es schallt;
Nun wusst' i doch, i werd' fürwahr
zumindest gewiss hundert Jahr'.
Kuckuck, Kuckuck, Trala!
O wie schlug mir da das Herze
so voll Lust und Fröhlichkeit,
und zu einem frohen Scherze
war i d'rum sofort bereit.
Und so dacht' i: musst's doch wagen,
etwas ander's noch zu fragen,
und so rief i ohne Ruh'
meinem fernen Kuckuck zu:
Kuckuck, o Kuckuck, o sag mir doch fein,
wann endlich kommt der Freier mein?
I mach' mir zwar halt nix daraus,
doch hätt' i's gar zu gern heraus."
Kuckuck, Kuckuck, klang's d'rauf durch den Wald
ein einzig Mal, dass rings es schallt;
nun wusst' i doch, i bin fürwahr
ein Bräutchen schon heut' über's Jahr.
Kuckuck, Kuckuck, Trala!
Jetzto wusst' i mi zu fassen
wirklich kaum vor Übermut,
konnt' das Fragen noch net lassen,
's lag mir einmal so im Blut.
Und so fasst' i mir ein Herze,
rief sodann in frohem Scherze
ohne Rast und ohne Ruh'
jenem lieben Kuckuck zu:
Kuckuck, o Kuckuck, o sag mir doch fein,
wann wird das erste Busserl mein?
I seh'n mi zwar halt nit danach,
doch wüsst' i gar zu gern den Tag.
Kuckuck, Kuckuck, klang's d'rauf neben mir,
schnell trat ein Jägersmann herfür,
und eh' ich's ahnt' in meinem Schreck,
schwapp, hatt' i's Busserl schon weg!
Kuckuck, Kuckuck, Trala!