Frühlingsgruß

W. Baumgartner

Wann die Frühlingslufte glänzen

Und der grüne Wald erwacht,

Berg und Thale sich bekränzen,

Alle Welt in Hoffnung lacht:

Dann mag auch das Herz erklingen,

Das die alte Sehnsucht zieht,

Und dem Gott des Frühlings singen

Recht sein freudenvollstes Lied!

O das Schönste auf der Erde

Ist des Menschen froh Gemüth,

Wenn das Ahnungsvolle "Werde!"

Es im Lenze heiß durchglüht! --

Brüder, sang- und lusterfahren,

Seid gegrüßt mit Lust und Sang!

Laßt des Tages Sorge fahren

Diesen Einen Tag entlang!

Seht, wie hell die Wasser schlagen

An den wohlgebauten Strand,

Und der Wandersmann muß sagen:

Schön und edel ist dieß Land!

Mit der Well', wie mit der Scholle

Ringen wir, mit Erd' und Flut;

Doch die Müh', die arbeitsvolle,

Schürt nur uns'rer Herzen Glut!

Wenn auf uns'ren Rebenhügeln

Freundlich ruht der Sonne Schein,

Darf sich tief die Seele spiegeln

In der Freiheit gold'nem Wein.

Und so steh'n wir alle Tage

Aufrecht, frei und heiter da,

Herz und Hand mit treuem Schlage

Stets dem Vaterlande nah!