Gesellschaftslied

W. Baumgartner

Wie uns hier zu guter Stunde

Hält ein guter Geist gebannt,

Schall' es frisch aus Herzensgrunde,

Dem die Herzen zugewandt.

Freier Kräfte regem Streben,

Brudersinn in Lust und Leid,

Einem schön geeinten Leben

Sei der volle Kelch geweiht.

Lassen wir das bange Quälen

Um ein unbestimmt Geschick.

Öffnen heiter wir die Seelen

Dem geweihten Augenblick.

In verstärkter Flamme lohe

Uns, was gut und schön und wahr,

Und als einzig Leiden drohe

Scheiden aus der Freunde Schaar.

Lächelnd winkt das Glück des Lebens

Uns aus lieben Augen zu.

Zaud're nicht! Du harrst vergebens.

Denn dein Glück, das schaffst nur du.

Hange fest am rothen Munde,

Lädt zu sel'gem Kuß dich ein

Liebe Lippe: nur die Stunde,

Nur der Augenblick ist dein.

Alles Schöne, das da wallte

Hin durch den beseelten Raum,

Schwindet rasch, als ob's gestalte

Deine Seele, Welt, im Traum.

Wie die bunten Farbentöne

Auf des Falters Schwinge glüh'n,

Lebt im Fluge nur das Schöne. --

Doch der Geist darf ewig blüh'n.

Ein's d'rum soll für uns nur taugen:

Laßt uns Alle, treu geeint,

Mit den hellen Geistesaugen

Halten, was vergänglich scheint,

Frisch und schön die Welt genießen,

Lieben Alles, ohne End,

Bis wir uns in's All ergießen,

Neuen Lebens Element.