Heinrich Frauenlob

W. Baumgartner

Wo sich zum Rheinesstrome

Die Hügel ziehn hinab,

Zu Mainz im alten Dome,

Da ist ein Sängergrab.

Dort unterm Stein zu schauen

Liegt Heinrich Frauenlob,

Der um die holden Frauen

Des Sanges Goldnetz wob.

Weil er so hold gesungen,

So treu bis in den Tod,

Sein Lied sich hingeschwungen

Wie letztes Abendrot,

Da war ein großes Klagen,

Da haben all' geweint,

Und ihn zum Grab zu tragen,

Die Frauen sich vereint.

Ob sie im Prachtgetose

Auch kam, die Kron' im Haar,

Ob an der Brust die Rose

Der einz'ge Schmuck auch war;

Den ich den schönsten wähne,

Der Schmuck war demuthsvoll:

Die treue Mitleidsthräne,

Die still dem Aug entquoll

Sie trugen zum Heiligthume

Die vielgeliebte Last

Und streuten manche Blume

In seine stille Rast;

Und schütteten der Reben

Viel edle Tropfen drauf!

Ihm blühten, wie im Leben,

Im Tod noch Rosen auf.

Den Lohn, der ihm beschieden,

Dem Sänger, preis' ich hoch,

Doch eins weiß ich hienieden,

Das nenn' ich schöner noch.

Das möcht' ich mir erstreben,

Das sei mein Hochgewinn,

Wenn ich geschafft im Leben

Mit edlem Männersinn:

Wenn von der Jugend Zungen

Mein Lied einst hell erklingt,

Wenn voll Erinnerungen

Man mit den Becher schwingt;

Wenn es in Lust und Schmerzen

Ertönt mit Mark und Kraft:

Er hat mit treuem Herzen

Fürs Vaterland geschafft!