O lasst mir meine stille Weise

W. Baumgartner

O laßt mir meine stille Weise,

O reißt mich nicht hervor ans Licht!

Mich dürstet nicht nach eurem Preise,

Und eure Bahn ist meine nicht.

Dem Sänger sind genug der Schlingen

Vom eignen heißen Blut gelegt;

Es frommt das Maß in allen Dingen

Und doppelt, wo man Geister wägt.

Ist dieser Brust ein Ton beschieden,

Der stimmt in eures Herzens Schlag:

Wohlan, so gönnt mir Rast und Frieden,

Daß ich ihn voll verströmen mag!

Doch nicht, wo bei der Kerzen Funkeln

Den Reigen wilde Laune führt, -

Der Gott hat immer nur im Dunkeln

Die Seele tönend mir berührt.

Er flieht die Stätten, wo die Menge

Sich Götzen formt und dann zerbricht;

Drum laßt mich wert sein seiner Strenge

Und reißt mich nicht hervor ans Licht!