Schweizergesang

W. Baumgartner

Im Schweizerlande rauscht ein Quell,

In Waldesnacht verborgen.

Der fließt so munter, scheint so hell

Wie frischer Thau am Morgen.

Da hemmt ein Fels den raschen Hang. --

O freudiges Ergießen!

Wie da mit lautem Jubelsang

Die Wellen nieder schießen.

Es donnert rings die schwarze Kluft,

Vom mächt'gen Sturz der Wogen,

Doch drüben in bewegter Luft

Schwebt leis ein Regenbogen.

In sieben Farben strahlt er mild,

In sieben reinen Tönen.

Ob sturmbewegtem Kampfgefild

Schwebt frei der Kranz des Schönen.

So mag es in der Heimath wild

Auch wogen hin und wieder,

Darüber schwebt versöhnungsmild

Der heit're Kranz der Lieder.

So glüh' aus jeder Brust hervor,

Du heil'ge Liederflamme,

Begeistert rausch' es hoch empor:

"Wir sind von einem Stamme!"

Dem Einen schönen Vaterland

Erschallen unsre Lieder;

Uns zieht von fernsten Hügelrand

Der Ruf zum Feste nieder.

Seid alle hoch willkommen hie,

Der Heimath echte Söhne,

Verbunden durch die Harmonie

Der Herzen und der Töne!