Frage nicht

W. Bradsky

O frage nicht,

Was auf des Auges stillem Grunde

Mir oft wie eine Thräne bebt,

Was schüchtern oft von meinem Munde

Wwie ein verstohlner Seufzer schwebt!

Es ist ein Wort, unausgesprochen,

Ein selig goldnes Traumgesicht,

Und nur mein Blick, mein Herzenspochen

Verräth es dir -- o frage nicht!

O frage nicht,

Was ruhelos in deine Nähe

Mich wie ein Zauber mächtig bannt,

Warum ich dennoch seitwärts stehe,

Wenn du mich lächelnd kaum erkannt!

Von Schmetterlingen rings umgaukelt,

Genährt vom ersten Sonnenlicht,

Ein Röschen du, vom West geschaukelt,

Entblättert' ich -- o frage nicht!

O frage nicht,

Zu welcher früher Sonnenwende

Mein kurzers Leben sich gesenkt,

Zu welchem Abgrund, welchem Ende

Mein müder Fuß hinunterlenkt!

Dir sei die Welt ein ew'ger Morgen

Voll Maienglanz und Duft und Licht,

Was Schmerzen sind, dir sei's verborgen,

Leb' wohl, vergiß -- und frage nicht!