Sonett des Michelangelo Nr. 2

W. Courvoisier

Von übergroßer, schwerer Last befreit,

Mein theurer Gott, dem Weltgetrieb' entkommen,

Bin ich als Wrack zu dir zurückgeschwommen,

Zur süßen Ruh' nach grauser Sturmeszeit!

Die Nägel, Dornen, Deine Hände beid',

Mit Deinem Angesicht, dem Mitleidsfrommen,

Verheißen: Gnad' und Heil sei unbenommen

Der Seele, die, voll Trauer, tief bereut!

Nicht mög' auf meine alte Schule als Richter

Dein heil'ger Blick, nicht Dein geschärftes Ohr

Und nicht Dein strenger Arm gewendet sein...

Dein Blut allein sei Rein'ger mir und Schlichter!

Dem Greise ström' es reichlicher hervor

Zu schneller Hülf' und völligem Verzeih'n!