Gold und Laute

W. Ehlers

Wenn leichtbeflügelt mir das Gold

Den falschen Rücken wendet,

-- Und selten ist's dem Sänger hold --

So bleib' ich unverblendet;

Ich laufe nie, zu meiner Schmach,

Dem ungetreuen Flüchtling nach;

Wer wollt' in seinem Leben

Was Feindliches erstreben?

Nein! mag es immerhin mit Klang

Und Glanz die Welt berücken!

Ich binde meinen Sorgendrang

Den Winden auf den Rücken,

Und statt des Goldes Flittertand

Nehm ich die Laut' in meine Hand,

Und sing', im Flammentriebe

Des Busens, von der Liebe.

Kaum sieht der Flüchtling sich verschmäht,

So kömmt er schmeichelnd wieder,

Und raunt in's Ohr mir früh und spät:

Wirf deine Laute nieder!

Er beut auf schimmervoller Bahn

Zu neuen Diensten sich mir an,

Und jagt die holden Musen

Hinweg aus meinem Busen.

Gold, treuvergeßner Bösewicht!

Hör auf mich zu bethören,

Und wag's mit Schmeichelreden nicht

Die Ruhe mir zu stören!

Mehr ist die Laute mir als Gold,

Sie wirbet nur um süßern Sold,

Und Lieder giebt sie nimmer

Für deinen Glanz und Schimmer.

Du machtest mir den Amor taub,

Wenn ich dir länger traute,

Bestreutest mir mit güldnem Staub

Die vielgeliebte Laute;

Und endlich würde mir wohl gar

Der Wonnebecher süß und klar,

Der Becher keuscher Liebe,

Durch deine Bosheit trübe.

Drum zieh', o Flüchtling! Zieh' nur fort,

Und flüstre mir nicht wieder

Dein schmeichlerisch Verführerwort

Zum Klange meiner Lieder!

Denn locktest du mich noch so sehr,

Die Laute gäb' ich doch nicht her;

Mit deinen Flitterstrahlen

Magst du bey Bettlern prahlen!