Erinnerung an die Jugend

W. Eyle

Als du das Licht der Welt begrüßt,

wer hat dich da zuerst geküsst,

voll Hoffnung auf dich hingeschaut

und auf den lieben Gott vertraut?

Du brauchst das Glöcklein nur zu fragen,

das einst zu deiner Taufe klang,

wer auf den Armen dich getragen

und liebend in den Schlummer sang:

Die Mutter war's, die für dich lebt

und ewig schützend dich umschwebt.

Und stürmst du aus dem Vaterhaus

voll Hoffnung in die Welt hinaus

und kehrst betrogen heim ins Land,

und es reicht keiner dir die Hand,

das alte Kirchlein kennst du wieder

und fühlst dich wunderbar beglückt,

denn horch, sein Glöcklein tönt hernieder,

wenn niemand auch ans Herz dich drückt;

verzeihend schließt in sel'ger Lust

die Mutter dich an ihre Brust.

Und wenn dein letztes Stündlein schlägt

und sehnsuchtsvoll dein Herze schlägt,

nenn ich auf Erden nichts mehr mein,

soll sterben und verlassen sein,

wer, wenn ich hingehaucht mein Leben,

drückt mir versöhnt die Augen zu?

Da wird das Glöcklein Antwort geben:

O gehe sorglos ein zur Ruh',

die Mutter naht zur letzten Pflicht,

verlässt ihr Kind im Sterben nicht.