Mutterliebe
W. Eyle
Träum' ich von der Kindheit Tagen,
wo ich, ach, in sel'ger Lust,
fern von Sorgen, frei von Plagen
ruhte an der Mutter Brust,
konnte spielend mich erfreuen,
sanft geführt von Mutterhand;
Mutterliebe ist die Perle,
die ich für die schönste fand.
Als in frohen Jünglingsjahren
zog die Liebe in mein Herz,
und ich musst' mein Sehnen wahren,
hoffnungslosen Liebesschmerz,
barg in still verhalt'nem Kummer
ich mein Herz an Mutterbrust;
Mutterliebe war der Balsam,
der den Schmerz zu lindern wusst'.
Weit hinaus war ich gezogen
in die Welt voll Wanderlust,
kämpfend gegen Schicksalswogen
hab' erringen ich gemusst.
Mich ergreift oft heißes Sehnen
nach der Heimat, die so fern.
Mutterliebe für den Wand'rer
war mein Trost, mein schönster Stern.
Heute wand're ich verlassen
durch die Welt, die öd' und leer,
kann der Mutter Hand nicht fassen,
ach, ihr Herz, es schlägt nicht mehr.
Noch vom fernen Himmelsthrone
schickt sie ihr Gebet herab.
Mutterliebe hilft dem Sohne
weit hinaus wohl übers Grab.