Brautgesang der Blumen
W. Freudenberg
(Sie.)
Sie saß allein, der Liebste war weit,
Sie träumte von ihrer seligsten Zeit,
Wenn endlich erfüllt das heiße Verlangen
An ihm mit ganzer Seele zu hangen.
Da schmettert die Lerche im Sonnenstrahl,
Das schallte so jubelnd von Berg zu Thal,
Und die Blumen flüstern ihr heimlich und mild
Am klopfenden Herzen, von Liebe erfüllt:
"Wenn wir wieder kommen und wieder blühn,
Soll die Myrthe mit uns zum Feste ziehn;
Sie soll die Krone auf's Haupt dir drücken,
Wir wollen den Busen dir bräutlich schmücken!"
"Wenn wir wieder kommen, im Frühlingsschein,
Und wieder duften im bunten Verein,
Dann küssen wir dich, du liebliche Braut,
Die uns mit Thränen der Wonne bethaut!"