Saul und Samuel

W. G. Thompson

"Du, deren Kunst die Toten ruft,

Laß des Propheten Geist mich sehen!"

"Steig', Samuel, aus deiner Gruft!

Du siehst ihn, König, vor dir stehen."

Die Erde gähnt; von Finsternis umwallt,

Wovor das Licht entflieht, steht die Gestalt.

Aus seinen Augen starrt der Tod heraus;

Die Hand, die Adern, Moder ist's und Graus;

Sein Fuß, wie ausgegrabenes Gebein,

Nackt, sehnenlos, strahlt einen bleichen Schein,

Der Laut von seinem unbewegten Mund

Heult, wie der Wind tief in der höhlen Schlund.

Saul sieht's und fällt; so wie die Eiche fällt

Auf einmal, von dem Donnerkeil zerschellt.

"Warum wird mein Schlaf gestört?

Wessen Ruf hab' ich gehört?

Deinen, König? blutlos, kalt

Siehst du meine Geistgestalt:

Wie du mich erblickst mit Grau'n,

Bist du morgen selbst zu schaun;

[So bist du, so ist dein Sohn,

Eh der nächste Tag entflohn.]

Leb' wohl; nur für einen Tag,

Dann liegst du, da wo ich lag."

Du alsdann und dein Geschlecht

Seid gefallen im Gefecht,

Und das Schwert hat deine Hand

Gegen deine Brust gewandt.

Kronlos, leblos stürzt hinab

Saul, sein Sohn, sein Haus, ins Grab.