Abschied
W. Goethe
Als ich zum letzten Mal dich sah,
Da sprach mein Mund kein Wort,
Kein' Thräne fiel aus meinem Aug',
Stillschweigend ging ich fort.
Ich habe mich nicht umgekehrt,
Dich noch einmal zu sehn;
Der weite Weg, er liegt vor mir,
Ich muß ihn einsam gehn.
An keines Freundes Busen wein'
Ich meine Schmerzen aus;
Allein kam ich zum Thor herein,
Allein geh' ich hinaus.
Der Wald ergrünt nicht mehr für mich,
Die Quelle bleibt mir stumm,
Die Nachtigall, sie ruft mir nach,
Ich kehre mich nicht um.
Die öde Welt, sie ist mein Haus,
Ich bin nicht heimisch drin;
Die Zeit strömt über mich hinaus,
Ich frag' sie nicht, wohin.
Dein Weg ist dort, der meine hier;
Einst trafen sie sich fast.
Geh immer hin, so leicht und frei!
Vergiß den finstern Gast!
Seh' ich dich einst nach manchem Jahr,
So spricht mein Mund kein Wort,
Kein' Thräne fällt aus meinem Aug',
Stillschweigend geh' ich fort.