Der Mönch

W. Goethe

Ein Mönch sitzt bleich im Beichtstuhl d'rin,

Ein schönes Weib kniet zu ihm hin.

"Mein Jesu, sei gebenedeit,

Doch seine Priester maledeit;

Der Alles mir im Leben war,

Barg falsch und arg sich im Talar;

Verkuppelt' mich mit kalter Ruh,

Sprach seinen Segen laut dazu.

Mein Herz liebt den, um den es bricht,

Den Bauernherren will es nicht!"

Sie weint und schweigt. Sie küßt die Hand,

Die er ihr reicht halb abgewandt.

Die Hände kreuzend auf der Brust

Sitzt er und träumt. Ist's Weh, ist's Lust?