Des Hammerschmieds Liebe
W. Goethe
Es steht mein Haus im finstern Schacht,
Die Werke rasseln Tag und Nacht,
Der Waldbach braust,
Der Blasbalg saust,
Der Hammer schallt, die Eisen sprüh'n
Und hohe Flammen mich umglüh'n.
Im Thale drunten still und klein,
Da wohnt des Müllers Töchterlein --
Sie küsst mich nie,
Die Ann'marie,
Sie meint, Schwarz passe nicht zu Weiß --
Wenn Schwarz nicht wär', wär' denn ein Weiß?
Wenn Nacht und Tag sich eng verflicht,
Gibt's nicht ein güld'nes Dämmerlicht?
Kann Schön'res sein
Als Morgenschein?
O Ann'marie! du weißt es nicht,
Wie Farbe sich an Farbe bricht.
Säßst du am Ambos hier bei mir,
Die schönen Flammen zeigt' ich dir --
Sie hat die Nacht
Zu Tag gebracht,
Und sähst du mich im Flammenmeer
Sagt'st nicht, daß ich so häßlich wär'.
Oft sitz' ich da in stillem Traum,
Und hör' um mich das Tosen kaum,
Wie Hammer schallt,
Und Kohle knallt,
Und aus den Funken graus und wild
Setz' ich zusammen mir dein Bild.
Da faßt's mich an wie Fieberschau'r --
Verflogen ist die stumme Trau'r --
Die Werke los!
Hei! Stoß auf Stoß!
Die Flamme schlägt zum Ofen 'raus
Die Funken sprüh'n zum Schlot hinaus.
Die Erde dröhnt vom Hammerschlag --
Dringt's nicht in deinen Gartenhag?
Denkst nicht an mich,
Wie ich an dich?
O Ann'marie, hörst du denn nicht
Wie Hammerschmiedes Liebe spricht?