Die Winde heulen, es wogt das Gras
W. Goethe
Die Winde heulen, es wogt das Gras,
Der arme Kosack liegt todt und blaß;
Auf schwankendem Sträuchlein ruht sein Haupt,
Die Augen von grünen Blättern umlaubt.
Ist zur Erde gefallen sein blank Geschoß,
Steht ihm zu Füßen sein schwarzes Roß;
Doch ihm zu Haupte, im hohen Gras,
Ein taubenfarbiger Adler saß.
Und er pflegt den Kosacken, bringt Trost ihm dar,
Hüpft um sein Haupt mit dem Lockenhaar...
Und der Kosack spricht dem Adler zu:
Sey, grauer Adler, mein Bruder du!
Und wenn du anfängst, o Bruder Aar,
Mir auszuhacken mein Augenpaar:
Fliege, fliege zu meiner Mutter hin.
Bring' der Mutter, der vor Gram sich verzehrenden,
Kunde vom Sohne, dem nimmer kehrenden;
Aber wisse, Bruder Aar, eh' du zu ihr fliegst,
Was du, wenn sie dich fragt, ihr zur Antwort sprichst:
Sag' der Mutter: Dein Sohn im Dienste stand
Bei dem Chane der Krimm, dem Tartarenland,
Hat durch den Dienst gewonnen eine Königsmaid,
Eine Todtengrube auf kahler Haid'!