Unmuth

W. Goethe

Hinwerfen auf den Strassen

Will ich mein blutend Herz.

Die Vögel mögen's haben;

Ich will sie seh'n gelassen,

Die Krähen und die Raben

Mich zwingend noch zum Scherz.

Hinwerfen auf die Strassen

Will ich mein blutend Herz.

So wird es doch zerrissen

Mit meinem Willen sein.

Sei's dann in eitle Flitter

Zertheilt mit meinem Wissen,

Wenn es zerschellt in Splitter

Bewahrt noch ein'gen Schein.

Doch wird es dann zerrissen

Mit meinem Willen sein.

Muß mich denn jezt nicht reuen

Die lange strenge Hut?

Warum so ängstlich sparen

Wo sich die Andern freuen?

Warum sein Herz bewahren

Gleich anvertrautem Gut?

Muß mich nicht jezt gereuen

Die Sorgfalt und die Hut?

Um es nun zu verschwenden

An sie, die's nie begreift,

Die mir zu tausend Schmerzen

Mit ungelenken Händen

Nun auch nach meinem Herzen

Gleich anderm Spielzeug greift.

Mußt' ich denn so verschwenden

Mein Herz, nachdem's gereift?

Durch's Herz, das bisher ganze,

Ist schon der Riß gethan.

Es ist nun schon bethöret,

Nicht mehr in seinem Glanze,

So mag's auch ganz zerstöret

Nun sein, was liegt noch dran

<4?

Durch's Herz, das bisher ganze,

Ist schon der Riß gethan.

Ja! werfen auf die Strassen

Will ich mein blutend Herz.

Die Vögel mögen's haben.

Wenn mich die Seel' verlassen,

Mag man den Leib begraben.

Was kümmert euch mein Schmerz?

Hinwerfen auf die Strassen

Will ich mein blutend Herz.