Der junge Rhein

W. Heiser

Was brausest du über die Felsen geschwind,

Du schaumbekränztes, du tolles Kind?

Was eilest du ohne Rast und Ruh,

Aus den dunklen Bergen der Ebene zu?

Deine Wogen, sie singen und rauschen im Traum

Und achten der schönen Heimat kaum;

Halt ein, halt ein,

Du ungestümer, du junger Rhein!

Das Waldesdunkel, das Maiengrün,

Die Bäume, die schimmernd am Ufer blühn,

Der blaue Himmel, die klare Luft,

So frisch und würzig von Frühlingsduft,

Sie sprechen verlockend und kosend zu dir:

"Geh nicht in die Fremde, o bleibe hier!"

Halt ein, halt ein,

Du ungestümer, du junger Rhein!

O, eile nicht schäumend von Ort zu Ort

Aus der bergichten Heimat zur Fremde fort,

Wo an deinen Ufern der Kampf entbrennt

Und bebend man deinen Namen nennt!

Hier ahnst du noch nichts von Schlacht und Tod,

Kein Blut färbt hier deine Wellen roth;

Halt ein, halt ein,

Du ungestümer, du junger Rhein!