Die Mutter und ihr Töchterlein
W. Heiser
O weine nicht, mein einzig Kind!
Die Augen sind dir wund;
Und wenn du weinst, dann wirst du blind
Und nimmermehr gesund.
O Mutter, lass' mich weinen doch!
Sind auch die Augen roth;
Die Augen, ach! -- sie heilen noch --
Er ist auf ewig todt!
Mein Töchterlein, erhöre mich!
Lass' deine Thränen sein;
Daß du nicht weinen willst, versprich!
Sonst sterb' auch ich aus Pein.
Und sie versprach's und weinte nicht,
Trug still den heißen Schmerz, --
Doch wie der Sturm die Rose bricht,
So brach der Gram ihr Herz.