Ermuthigung
W. Heiser
Wenn das Geschick uns feindlich abgeschlagen
Um was das Herz in sel'ger Freude warb,
Wenn in des Lebens abgeblühten Tage
Uns auch der letzte Hoffnungsschimmer starb,
Dann drängen oft des Zweifels finstre Mächte
Versuchend um das kranke Herz sich her;
Sie deuten hin auf dunklen Mitternächte,
Verneinend jeden Glückes Wiederkehr.
Und doch entkeimen täglich neue Blüten
Dem Erdenschooß, von heil'ger Hand gepflegt,
Die, um ein trübes Leben zu vergüten,
Die Liebe freudig uns entgegen trägt.
Drum Kraft und Muth, das Leben neu zu wagen,
Weit liegt's und groß und reich vor unserm Blick!
Der Zweifler nur darf an dem Glück verzagen,
Dem Gläub'gen lacht ein freundliches Geschick.
In dunkler Urne mischt des Lebens Loose
Der hohe Geist, der ewig wacht und lebt;
Und wie sie fallen in der Menschen Schooße --
In jedes ist ein stilles Glück gewebt.
Das Leben eilt die Schuld uns abzutragen,
Genießet froh und fordert nicht zu viel!
Vollkomm'nes Glück wird Jedem abgeschlagen,
Die Blume lohnt dem Kämpfer erst am Ziel.