Die Amsel

W. Kempff

Wie tönt an Frühlingstagen

So schwermuthsreich und hold

Der Amsel lautes Schlagen

Ins stille Abendgold.

Es schimmert an den Zweigen

Ein zartverhülltes Grün,

Die junge Säfte steigen,

Und es beginnt zu blühn.

Doch nicht mit Jubeltönen

Begrüsst die Amsel nun

Die Tage, jene schönen,

Die in der Zukunft ruhn.

Es klingt wie Leides Ahnung,

Sie singt im schwarzen Kleid

Schon jetzt die trübe Mahnung:

Wie kurz die schöne Zeit.