Barden, auf!
Kienzl, Wilhelm
Sonst, wenn die Sonne sank hinab,
Wenn drohten Sturm und Wolke,
Wenn's unheiltrübe Zeiten gab
In unserm deutschen Volke:
Da rauscht es auf wie Harfenklang
Aus vieler Sänger Saiten,
Es rief der Barden hehrer Sang
Die Männer auf zum Streiten.
Doch wo ist jetzt die Bardenschar,
Wo sind die Sänger alle? --
Es dräut der deutschen Mark Gefahr,
Jäh neigt sie sich zu Falle:
Kein Sänger, der zu Kampf und Streit
Die deutschen Männer riefen;
Sie singen Lieb und Heiterkeit,
Als ob der Feind uns schliefe.
Wie sind wir doch aus hartem Erz
Zu Flittergold geworden:
Wir treiben tändelnd Spiel und Scherz
An sturmgepeitschen Borden!
Die gute, stolze Väterart,
Ist sie uns ganz erstorben?
Von Ahnentugend nichts bewahrt?
Sind wir erlahmt verdorben?
Wo bist du, deutscher Bardenchor,
Mit deinem Schlachtenfange?
Wach auf, wach auf und tritt hervor
Und ruf zum Waffengange!
Hinweg mit Spiel und tollem Saus
Und leichter Lieder Tönen;
Jetzt muß wie wildes Sturmgebraus
Die deutsche Weise dröhnen!