Das alte Nest

Kienzl, Wilhelm

Du altes schlafbefang'nes Nest,

oft schmäht ich dich mit lauter Kehle,

Und doch: nichts hält wie du mich fest,

so in der Tiefe meiner Seele.

Ich glaube, wenn ich ganz einmal

dort draußen Heil und Halt verlöre,

stumpf allem Glück und aller Qual,

und selbst zu stumpf zum Weinen wäre...

Und sähe deinen schiefen Turm

sich von den blauen Bergen heben

Und rings, wie tiefgeduckt vom Sturm

die roten Dächer ihn umgeben.

Weitum das segenschwere Feld,

die lichte Flur, und hinter Mauern

tiefgrüner Wälder fern die Welt...

durch meine Seele ging ein Schauern:

"O Heimat du?", dies einz'ge Wort,

ich stünde still und schaute,

und wendete den Blick nicht fort

bis heiß mir's von den Augen taute.