Abenddämmerung

W. Kleinecke

Jüngst in der Dämm'rung fuhr ich

An einem See entlang,

Laut durch die öde Stille

Tönt eines Hornes Klang.

Da war's mir, als entfliege

Dem See ein holdes Weib

Mit langen, goldnen Strähnen

Und schlankem Schwanenleib.

Es hub nun an zu singen

Ein Lied so wundervoll,

Daß mir dabei die Seele

In süßem Schauer schwoll.

Ein wunderseltsam Sehnen

Durch ihre Tiefen ging,

Und sieh'! an meiner Wimper

Eine heiße Thräne hing.

Ich sah die Nixe winken

Nach mir noch lange Zeit.

Mein Sinnen war verloren

In die Vergangenheit.

Ich träumt' noch einmal wieder

Zerronn'nen Liebestraum.

Das Horn war längst verklungen --

Ich aber merkt es kaum.