Das gebrochene Herz

W. Kühner

Vor der Tür hat sie gesessen,

hat geweint die ganze Nacht,

wie auch hell die Geigen klangen,

nicht ein einzig Mal gelacht.

Und die Gäste, die da gingen

durch die Pforte aus und ein,

blickten nach ihr ganz verwundert,

luden sie zum Tanzen ein.

Keinem hat sie was erwidert,

ob er noch so freundlich sprach;

jedem, der sie so gewahrte,

fast das Herz vor Mitleid brach.

Endlich kamen zwei geschritten,

hatten traulich sich umfasst;

als der eine sie gesehen,

strebt' er fort in scheuer Hast.

Doch das Weib an seiner Seite

hielt zurück ihn bei der Hand,

dass er wider seinen Willen

plötzlich vor der Ärmsten stand.

Und ein Blick aus ihrem Auge

traf ihn - doch er hielt ihn aus

und zog frech die neue Liebste

mit sich fort zu Spiel und Schmaus.

Als die Geigen endlich schwiegen

und der letzte Ton verhallt',

hat sie noch allda gesessen,

aber ruhig, starr und kalt.