Sternenlicht
W. Neuland
Nein, nein! So teuer ist mir nicht
der gold'nen Sonne klarer Schein;
er leuchtet nicht so süß und rein
als das bleich, silbern Sternenlicht.
Es ruft zurück, trotz Zeit und Raum,
vergang'ner Wonne süßen Traum.
Es lächelt mir mit Zaubermacht,
hält auf der Stunden schnell Flucht,
bringt mir zurück, die ich gesucht,
die süße bitt're Trennungsnacht,
die Wonne mischte bitter'm Schmerz;
nein, nie vergisst sie dieses Herz!
Des ew'gen Meeres Rauschen hört!
Die Stimme Gottes tönt sie euch.
Hoch über uns ein blinkend Schwert,
beschirmend and'rer Welten Reich.
Gott, Gott, er selbst, er schrieb es hin,
was Hoffnung uns und Liebe lehrt.
In unser'm Herz wechseln Gefühle,
bald Freud, bald Schmerz uns durchwühlt.
Wohl freudig klopft die volle Brust,
nicht kann das Wort die Wonne künden;
dort oben überm Sternenzelt,
dort werden wir uns wiederseh'n!
Die Engel lächeln hold herab,
die Träne rinnt vom Antlitz mild.
O süßer Tau, den Gott mir gab,
den Busen Hoffnung mir erfüllt.
Am besser'n Jenseits zweifl' ich nicht,
mir bürgt dafür das Sternenlicht.