Bist du mir fern

W. Nicolai

Du bist mir fern, nah bin ich dir:

Wo ich auch bin, dort oder hier,

Den kürzesten Tag, die längste Nacht

Hab' ich an dich, mein Lieb, gedacht.

Ich schlaf', und wenn ich munter bin,

So fliegt zu dir mein Herze hin

Und bringt dir einen Gruß von mir,

Mein süßes Lieb, du schönste Zier!

Und wenn ich träume, kommt mir für,

Als ob ich steh' vor deiner Thür,

Dann ruf' ich dir durch's Fensterlein:

Behüt dich Gott, süß Liebchen mein!

Ach Gott, wie weh das Meiden thut!

Leb wohl! es wird noch werden gut:

Gott ist getreu, er giebt ein Heut,

Das unser beider Herz erfreut.