Schwebender Genius über der Erdkugel
W. Petersen
Zwischen oben, zwischen unten
Schweb' ich hin zu muntrer Schau;
Ich ergötze mich am Bunten,
Ich erquicke mich im Blau.
Und wenn mich am Tag die Ferne
Blauer Berge sehnlich zieht,
Nachts das Übermaß der Sterne
Prächtig mir zu Häupten glüht.
Alle Tag' und alle Nächte
Rühm' ich so des Menschen Loos;
Denkt er ewig sich ins Rechte,
Ist er ewig schön und groß.
Memento mori! Giebt's genug,
Mag sie nicht hererzählen;
Warum sollt' ich im Lebensflug
Dich mit der Grenze quälen?
Drum, als ein alter Knasterbart,
Empfehl' ich dir docendo:
Mein theurer Freund, nach Deiner Art
Nur vivere memento!
Wenn am Tag Zenith und Ferne
Blau ins Ungemeßne fließt,
Nachts die Überwucht der Sterne
Himmlische Gewölbe schließt;
So am Grünen, so am Bunten
Kräftigt sich ein reiner Sinn,
Und das Oben wie das Unten
Bringt dem edlen Geist Gewinn.