Sommermorgen
W. Rein
Nun schreit ich rüstig aus dem Tor
beim ersten Lerchenschlag,
der Nebel dampft um Ried und Rohr,
dei liebe Sonne kommt hervor
ich steh im jungen Tag!
O Erde! Himmel! O goldene Welt!
O blühendes Gebreit!
Wohlauf, mein Herz! Die Fahrt bestellt!
Schon tret ich in dein Dämmerzelt,
waldhehre Einsamkeit!
Lass klirren, Bach, dein Silberband,
spring, Talwind, mir vorauf!
Ich steig empor an steiler Wand,
von freier Höh schau ich ins Land,
da geht das Herz mir auf!
Wie schimmert tief im Wipfeltau
der Wälder grüner Kranz!
In Rosenfeuer liegt die Au,
wie Gottes Auge blau
blitzt fern der See in Duft und Glanz.
Und rings der Gipfel weiße Zier,
so feierlich und klar.
Mir ist als stünd der Herrgott hier
und strich mit Vaterhänden mir
still lächelnd übers Haar.