Nachtgang
W. Rettich
Im Erlenbusch ist noch ein Vogel wach,
Sonst schweigt im grünen Mondlicht Tal und Wald.
Mir wandeln meiner Jugend Schatten nach
Und singen Traumgesänge mannigfalt.
Wie kam ich doch aus Lebens Sturm und Glut
In dieses grüne Tal jenseits der Welt,
Wo aller Träume Schar so friedsam ruht
Und doch mein Herz an hundert Fäden hält?
Verzaubert sag ich liebe Namen viel,
Verschollen ferne, die ich einst gekannt,
Und geh verloren weiter ohne Ziel
Durch der Erinnerung gedämpftes Land.
Da glänzt dein Name aus der Dämmerung,
Du Einzige, und plötzlich bin ich wach,
Und aller Schmerz ist wieder neu und jung
Und wandelt glühend deinen Spuren nach.