Brautlied

W. Rinkens

Glückselig muß man preisen,

Die gleiche Lieb und Treu

Einander tun erweisen

Stetig und ohne Reu.

In Not und schweren Zeiten

Tröst eins des andern Leid,

In Lieb und Fröhlichkeiten

Mehrt eins des andern Freud.

Wie sich zusammenreimen

Näglin und Rosmarein,

Weinreben zu Rüstbäumen,

Köstliche Würz in Wein:

So schicken sich zusammen

Ein Mann und ehlich Weib,

Die werden in Gotts Namen

Ein Sinn, ein Seel, ein Leib.

Gott woll den beiden geben

In Fried und Einigkeit

Mit Gsundheit langes Leben,

Daß künftig auch zur Zeit,

Wann sie werden veralten,

Ihr Lieb verjünge doch,

Wann sie werden erkalten,

Ihr Lieb, als vor, brenn noch.

Seht an und merket eben

Die Vöglein ohne Ruh,

Wie sie ihr kurzes Leben

Mit Liebe bringen zu.

Die holdseligen Tauben

Mit ihren Schnäbelein

Stets aneinander klauben,

Streichelnd die Flügelein.

Tut Mund mit Mund beschließen,

Wie Muscheln an dem Bach;

Mit Armen und mit Füßen

Tuts grünem Efeu nach.

Laßt Bettstatt wacker krachen,

Kein Musik besser laut,

Und wers wollt anders machen,

Der bleib nur ohne Braut!