Abschied
W. Rischbieter
Wie wird mir denn so weh und bang,
Jetzt, da du scheiden mußt?
Hab' dich gesehen Tage lang,
Und still war meine Brust.
Hab' dich gesehen Wochen lang,
Und ruhig war mein Herz;
Jetzt, da des Scheidens Zeichen klang,
Woher jetzt dieser Schmerz?
O Frau, zu der mein Abschied ruft,
Voll stillem, frommem Sinn,
So heiter, wie die heitre Luft,
Gleichst auch der Luft darin,
Daß ihren Segen man kaum spürt,
Wenn Tag auf Tag entflieht,
Doch schaudernd dessen inne wird,
Sobald sie sich entzieht!
O Frau! du warst fast Mutter mir --
Die meine schlummert tief --
Dein mahnend Wort kam wie von ihr,
Dein Ruf war, wie sie rief.