Die Heimat

W. Speyer

Vögel, leiht mir eure Flügel,

mächtig zieht es mich von hier;

ach, dort hinter jenem Hügel

winkt die traute Heimat mir!

Teures Land,

weggebannt

bin ich schon zu lang' von dir.

Lüfte, könntet ihr mich tragen

zu den Plätzen stiller Lust,

wo in sel'ger Kindheit Tagen

ich des Lebens ward bewusst!

Jedes Leid

ward zur Freud'

an der güt'gen Mutter Brust.

Wolken, dürft' ich mit euch eilen

ohne Rast und ohne Ruh',

o, dann flög' ich sonder Weilen

jener teuren Gegend zu!

Jeder Ort

winket dort

Grüße der Erinn'rung zu.

O, was winkt ihr gold'nen Sterne

mir zur teuren Heimat hin?

Traurig ward in öder Ferne

meiner Jugend heit'rer Sinn.

Ruh' und Glück

blieb zurück,

seit ich dort geschieden bin.

Dort erglänzt des Stromes Spiegel;

ferne Wellen, tragt mich fort!

Hätte doch die Sehnsucht Flügel,

trüg' sie mich zum sicher'n Port!

Süße Ruh'

winkt mir zu,

o wie gerne wär' ich dort!