Die vierte Stimme

W. Speyer

Es lebten einst vier Freunde,

die liebten sich gar sehr;

sollt' einmal einer fehlen,

ging's wohl den andern schwer.

Die hielten aneinander,

wie's immer mochte sein,

die sangen mit einander

im lieblichsten Verein.

Sie sangen schon seit Jahren,

erfasst von inn'rem Drang,

und manch ein Herz erquickte,

erhob schon ihr Gesang.

O weh', da kam den vieren

gar eine böse Stund',

denn einer ward entrissen

für immer ihrem Bund.

Den trugen sie zu Grabe

mit Tränennass und Flor,

und klagten, dass verloren

für immer ihr Tenor.

D'rauf schwiegen wohl gar lange

die schwerbetrübten Drei,

war doch die vierte Stimme

nicht mehr wie sonst dabei.

Doch als sich nun gemildert

ihr Schmerz um den Verlust,

und sie nun wieder sangen

voll Wehmut in der Brust,

da ward es einem Jeden,

als töne wie zuvor

des Vierten helle Stimme

vernehmbar an das Ohr.

Wohl starrten bleich und staunend

die Drei einander an,

allein es scholl die Stimme,

sooft ihr Lied begann.

Sie scholl, als wär' der Tote

entstiegen seinem Bett,

dass Jeder dacht', zu hören

ihr früheres Quartett.

[Da sanken in die Arme

die Drei sich ohne Wort];

was recht zusammengeklungen,

das klingt für immer fort.