Trinklied mit Chor
W. Speyer
Gar flüchtig ist das Leben,
das uns der Herr gegeben,
und jede Herrlichkeit
verschlingt der Strom der Zeit.
D'rum eh' die Wangen bleichen,
die Sorgen euch beschleichen
und euer Blut erstarrt:
Genießt die Gegenwart!
Noch blühen schöne Frauen
in allen deutschen Gauen,
noch spendet Vater Rhein
den echten, guten Wein.
O Brüder, schenket ein
und lasst uns fröhlich sein!
Wenn nuns're Beine wanken,
da sprudeln die Gedanken.
Die Fische bleiben stumm,
das Wasser macht sie dumm.
Schon manches ist gelungen,
wenn stammeln uns're Zungen;
denn ohne Geist im Kopf
ist man ein armer Tropf!
Noch blühen schöne Frauen
etc.
In jedem deutschen Kreise
nach alter Väterweise
erschall' der Barden Klang
und freier Männer Sang.
Hinweg mit allen Schranken,
die fesseln den Gedanken!
Des Wortes Zaubermacht
verscheucht die finst're Nacht!
Noch blühen schöne Frauen
etc.