Trost überall

W. Speyer

Stille, stille, stille,

du gequältes Herz!

Es ist Gottes Wille,

trage deinen Schmerz!

Du wirst einst erliegen;

deines Harms Gewicht

kann dich drücken, biegen,

doch zermalmen nicht.

Wann du auch beklommen

unter Nöten stehst,

es muss anders kommen,

bis du, Herz, vergehst.

Überall sind Quellen

süßer Trosteshuld,

schöpfe aus den hellen

Labung und Geduld.

Oben von den Sternen,

ihrer heiter'n Pracht,

kannst du vieles lernen,

was dich ruhig macht.

Unten auf der Fluren

reizerfülltem Plan

wehen dich die Spuren

heil'gen Waltens an.

Du hast eingetragen

früher manchen Schatz;

nun in schlimmen Tagen

beut er dir Ersatz.

Später, auf der Zeiten

rascher Wechselflut,

wird die Last entgleiten,

die jetzt auf dir ruht.

Innen, in der Schriften

unverrücktem Hort,

ach, von allen Giften

winkt Genesung dort.

Draußen in des Lebens

rastlos ems'ger Saat

suchst du nicht vergebens

Heil durch edle Tat.

Was ist deine Plage

gegen so viel Glück?

Trage d'rum, ertrage

standhaft dein Geschick!

Nur den finster'n, bösen

Kleinmut dulde nicht!

Alles wird sich lösen,

Herz, in Lieb' und Licht.