Lindenbaum

W. Starck

Vom Lindenbaume trägt Blüthen her

Der Wind und Düfte so wonneschwer.

In die Lenznacht schimmert der Mondenschein

Wie Gruß aus dämmernder Ferne hinein.

Auf Traumesschwingen breit ausgespannt

Trägt er mich fort in ein fremdes Land.

Da funkelt am Berge in zaub'rischem Glast

Vom Mondlicht umflossen ein Fürstenpalast.

Die Hände gefaltet zum Gebet,

Auf hohem Balkone die Liebste steht,

Und starrt in das wehende Mondenlicht

Und starrt in die Tiefe, und sieht mich nicht.

Und die Geige heb' ich und weiß es kaum,

Und die Saiten klagen... Sie hört es im Traum

Und weint und schluchzet... Ich spielt' ihr das Lied,

Da sie mich noch küßte und doch schon verriet...