Sah ich ihn doch am Wegrain sitzen

W. Starck

Sah ich ihn doch

Am Wegrain sitzen

Mit Blumen im Haar

Und lachenden Augen,

Wie er mir winkte!

Da lief ich ihm nach,

Die Wiese entlang,

Durch Haselgebüsch

Und wuchernde Ranken,

Die kreuz und die quer,

Bis tief in den Wald.

Nun kann ich nicht mehr!

In kleinen, wilden,

Sinnlosen Schlägen,

Schlägt mir das Blut

Bis zum Halse herauf.

Verwirrt sind die Zöpfe,

Verschoben das Mieder,

Und mitten ins neue,

Tuchene Röckchen

Riß mir der tückische

Dornzweig ein Loch.

Frühling!... Verräther!...

Hätt' ich dich jetzt,

Du solltest mir büßen!

Wie wollt' ich dich zausen

An goldenen Löckchen,

Wie wollt ich dich rütteln

Und schütteln und -- küssen!

Müde bin ich

Vom tollen Lauf.

Ich werf mich hinein

In nickende Gräser,

In träumende Moose --

Da -- über mir,

Hinter mir

Hör' ich sein Lachen,

Hör' seine helle,

Neckende Stimme:

"Kuckuck!... Kuckuck!"

Jäh fahr ich empor

Aus wachendem Schlummer.

Da wirft mir der Schelm,

Der sonnige Wildfang,

Vom alten, knorrigen

Birnbaum herunter

Die blühende Last

Eben erschlossener,

Schneeiger Blüthen

Herab in den Schooß.