Ich ging im Wald, im grünen Wald
W. Veit
Ich ging im Wald, im grünen Wald,
So recht tief in Gedanken;
Da sah' ich Vöglein mannigfalt
Auf grünen Zweigen schwanken.
Da hört' ich Rauschen über mir,
Ringsum Gesang und Girren,
Den Guckuck fern und unter mir,
Ein Summen und ein Schwirren.
Dazwischen klang's so leis und lind,
So wundersam und eigen!
Sind's Glöcklein, angehaucht vom Wind?
Ist's Klang von einer Geigen?
In leisen Weisen säuselnd ging's,
In schönverschlung'nen, bunten,
Es lockte mich bald rechts, bald links,
Bald oben und bald unten.
Bald kam's aus Rosenbüschen vor,
Daß ich mich wollte neigen,
Bald wand't ich aufwärts Aug' und Ohr
Und sucht' es in den Zweigen.
Dem unsichtbaren Geigenklang
Folgt ich, als wie im Traume,
Bis wo der Pfad sich wirr verschlang
Am alten Eichenbaume.
Ich merkte nicht, wohin ich ging,
Mein Geist war in den Ohren,
Erst da ich stolpernd mich verfing,
Sah' ich den Pfad verloren.
Und stolpernd sank ich weich zum Grund,
Ganz nahe klang das Geigen,
Auf grünem Hügel Blümlein bunt
Thäten im Takt sich neigen.
Jetzt kenn' ich dich, du Geisterhand
Mit deinen Wundergaben!
Ruh' wohl, du lieber Musikant,
Der du hier liegst begraben!