O Ruhestatt des Müden

W. Veit

O, Ruhestatt des Müden,

Nimm, nach vollbrachtem Lauf,

Ihn in den stillen Frieden

Der heil'gen Grabnacht auf!

Nach Stürmen die ihn trafen

In sturmbewegter Zeit,

Bist du allein der Hafen,

Der sichre Ruhe beut.

Zu dir, der Schöpfung Meister,

Zu deines Thrones Höhn,

Du Richter aller Geister,

Erhebt sich unser Flehn!

Von diesem Erdenpfade

Tritt Keiner fleckenlos;

Doch deine Lieb' und Gnade

Ist ewig reich und groß.

Du riefst uns in dies Leben,

Dein Ebenbild zu sein.

Wir ringen wohl und streben,

Doch unsre Kraft ist klein!

Vom sterblichen Geschlechte,

Wer kann vor dir bestehn,

Willst du, nach ew'gem Rechte,

Herr, zu Gerichte gehn!

O Vater, voll Erbarmen,

Voll Langmuth und Geduld,

Vergieb, vergieb dem Armen

Des Lebens Fehl und Schuld!

Laß ihn, befreit von Mängeln

Durch Glauben und Vertraun,

Im Bruderkreis von Engeln,

Dein göttlich Antlitz schaun!