Serenade
W. Veit
Der Thau steht auf der Rose,
Das Abendroth verglimmt,
In stiller Dämmrung Schoose
Der Stern der Liebe schwimmt.
Es girrt auf der Fluren, es flötet im Hain,
Umschlungen will Liebe von Liebe sein!
Die Nacht kommt an und breitet
Den Sternen-Mantel aus,
Und löscht, wohin sie schreitet,
Das schöne Tag-Licht aus;
Doch, wo sich die Liebe zur Liebe gesellt,
Da leuchtet die glänzendste Sonne der Welt!
Der Schlaf, auf leisen Schwingen,
Schwebt müden Augen zu,
Will holde Träume bringen,
Vergessenheit und Ruh';
Doch, sind sich zwei liebende Herzen nah,
So ist ja der seligste Traum schon da!
O Nacht! dein heilig Schweigen,
Dein freundlich Sternen-Licht
Verräth der Liebe Zeichen,
Kuss und Umarmung, nicht!
Gepriesen sei deine vertrauliche Pracht,
Du Freundin der Liebe, du schweigende Nacht!