Melodram

W. von Purgstall

Die Wunde brennt, die bleichen Lippen beben

ich fühl's an meines Herzens matterm Schlage,

hier steh ich an den Marken meiner Tage

Gott, wie du willst! Dir hab ich mich ergeben.

Viel gold'ne Bilder sah ich um mich schweben;

das schöne Traumbild wird zur Totenklage.

Mut! Mut! Was ich so treu im Herzen trage,

das muß ja doch dort ewig mit mir leben!

Und was ich hier als Heiligtum erkannte,

wofür ich rasch und jugendlich entbrannte,

ob ich's nun Freiheit, ob ich's Liebe nannte:

Als lichte Seraphe seh ich's vor mir stehen;

und wie die Sinne langsam mir vergehen,

trägt mich ein Hauch zu morgenroten Höhen.