Das dunkle Herz

A. Webern

Das dunkle Herz, das in sich lauscht,

erschaut den Frühling nicht nur am Hauch und Duft,

der durch das Leuchten blüht;

es fühlt ihn an dem dunklen Wurzelreich,

das an die Toten rührt:

Was wird, legt sich mit zarten Wurzeln

an das Wartende im Dunkel,

trinkt Kraft und Stille aus der Nacht,

eh' sich's dem Tage senkt,

eh' es als Liebeskelch zum Himmel duftet

und eh' aus ihm zu ihm ein goldnes Flattern Leben trägt:

Ich bin nicht mein.

Die Quellen meiner Seele,

sie sprudeln in die Wiesen dessen, der mich liebt,

und machen seine Blumen blühen

und sind sein.

Du bist nicht dein.

Die Flüße deiner Seele,

du Mensch, von mir geliebt,

sie strömen in das Meine,

daß es nicht verdorre.

Wir sind nicht unser,

ich und du und Alle.