Die Tanne

Wilhelm Ferdinand Halter

Sieh, Doris, wie vom Mond bestrahlt

Die Tanne glänzt.... wie schön!

Vor jedem Baum hab' ich im Wald

Die Tanne mir ersehn.

Wie ruhig steht sie da im Thal,

Gepflanzt von Gottes Hand!

Es bleicht kein Reif, kein Sonnenstrahl

Ihr ewiggrün Gewand.

Auf ihren Ästen baut kein Wurm,

Kein falscher Weih sein Nest,

Und neigt sich gleich ihr Haupt im Sturm,

So steht ihr Fuss doch fest.

So steht sie, bis aus schwüler Luft

Ein Blitz sie niederstreckt,

Und dann noch haucht sie süssen Duft

Bis kühles Moos sie deckt.

Deckt, Doris, mich einst kühles Moos,

So reiss im Mondesschein

Aus unsrer Kinder Arm dich los

Und wall' in diesen Hain.

An meine Tanne hingelegt,

Sing dann in heiterm Ton

Dein Lied, das mich so oft bewegt,

Das vom Hylarion.

Und dringen Seufzer in das Lied,

So blick' den Himmel an,

Von welchem der herunter sieht,

Der uns vereinen kann.

Und wenn, wie von des Zephyrs Wehn,

Der Tanne Wipfel bebt;

So ist's mein Geist, der ungesehn

Ob deinem Scheitel schwebt.

Und werf' ich zu des Baumes Fuss

Ein Zweiglein dir herab,

So weih' es ein mit einem Kuß,

Und steck' es auf mein Grab.