Herr Less an Julien
Wilhelm Ferdinand Halter
O hätten nur
des armen Lebens Tage
nicht Trennungen: so wär bei aller Plage
nichts Trauriges in der Natur!
Welch eine Pein:
alsdann uns trennen müssen,
wenn, ganz erschöpft in stillen Thränengüssen,
wir sehn, wir könnten glücklich sein!
Und welch ein Schmerz:
uns ungewiss zu trennen,
ob je ein Kuss uns wird erquicken können!
welch Leiden für ein feines Herz!
Du bessre Welt!
was mir im ganzen Leben
das Liebste war; wirst du mir's wiedergeben? --
Gewiss! sobald die Scene fällt!
Das wird geschehn!
und mit entschlossnem Herzen
bereit' ich mich zum bittersten der Schmerzen:
mein Liebstes hier nicht mehr zu sehn!